CVJM Weißrussland

Begegnungsreise Mai 2015

Eindrücke einer intensiven Begegnung 70 Jahre nach Kriegsende

Zuerst bunte Fahnen am Straßenrand und riesige Hochhausketten im Hintergrund, etwa eine halbe Stunde später sehen wir links und rechts gelbe und blaue Holzhäuschen mit kleinen Gärten und einer Ziege oder ein paar Hühnern darin. Der Kontrast könnte kaum größer sein: Wir fahren mit dreizehn Personen vom Flughafen Minsk durch die Stadt in die ländliche Region Woloshin in Belarus. Mit vielen Erwartungen und ersten Eindrücken kommen wir, Mitglieder aus Vereinen der AG, Mitarbeitende von CVJM-Kreis- und Ortsvereinen sowie Vorstandsmitglieder des CVJM-Friedensnetzes, beim CVJM-Haus in Woloshin an.

Die Reise ist ein Fachkräfteaustausch des CVJM-Friedensnetzes mit dem CVJM in Woloshin, der in diesem Jahr sein 20jähriges Jubiläum feiert. Doch nicht nur dieser für den CVJM wichtige Jahrestag war Grund für unsere Reise, sondern insbesondere auch die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg, zu denen wir als Mitglieder des CVJM-Friedensnetzes mit einer kleinen Ausstellung in Dory auch ein Zeichen der Versöhnung setzen möchten.

Zunächst fahren wir aber am Donnerstag in die Hauptstadt zurück, um dort das neu eröffnete Museum zum „Großen Vaterländischen Krieg“ zu besuchen. Wir sehen militärische Darstellungen, den Aufbau eines Partisanendorfes im Wald, die Gräuel des Vernichtungskrieges und oben angekommen in einer riesigen Glaskuppel den „Saal des Sieges“. Für uns als deutsche Gruppe in einem Land der ehemaligen Sowjetunion, in der die meisten Toten des Zweiten Weltkriegs zu beklagen sind, eine schwierige Auseinandersetzung, aber sicherlich auch ein guter inhaltlicher Einstieg für die nächsten Tage.

Am Abend findet dann das Jubiläum des CVJM in Woloshin im Kulturhaus statt. Schon die Begrüßungen lassen erahnen, dass es eine schöne und bewegende Feier wird. Unterhaltsame Reden, eine Fotopräsentation, Tanz und Gesang  bilden einen vielseitigen Rahmen. Es gibt aber auch Dankesurkunden für die langjährige Partnerschaft und das Engagement von deutschen Gruppen und Personen in Woloshin und am Ende durfte eine große Geburtstagstorte natürlich auch nicht fehlen. Die NGOs haben es in Belarus und den politischen Umständen sehr schwer, sodass diese 20jährige CVJM-Arbeit in diesem Land gar nicht hoch genug geschätzt werden kann.

Freitag nehmen wir in Dory am orthodoxen Gottesdienst teil und erneuern unser Versprechen, in Dory als deutscher CVJM für Völkerverständigung und Versöhnung einzustehen. Denn dieser Ort hat eine sehr traurige Geschichte. Am 23. Juli 1941 wurde das Dorf von der deutschen Wehrmacht überfallen und die Bevölkerung in die Kirche des Dorfes getrieben. Wenige konnten entkommen, da sie zur Zwangsarbeit ausgewählt wurden, die Übrigen waren in der Kirche gefangen, die die Deutschen dann anzündeten. Mit dem Gotteshaus verbrannten 257 Menschen.

Nach einer Traueransprache am Mahnmal und den Mauerumrissen der verbrannten Kirche gibt es einen kleinen Empfang in der Dorfschule, wo nun über die Geschichte des Ortes eine Ausstellung von uns aufgehängt wurde: „Dory – nur ein Ort von vielen“.

Am nächsten Tag, dem 9. Mai, ist in Belarus gesetzlicher Feiertag, denn es ist der „Tag des Sieges“ und in Minsk sowie in weiteren Städten des Landes gibt es Festreden und Feierlichkeiten. In Woloshin ist der Rathausplatz geschmückt, Veteranen sind zu Gast und eine Militärparade zieht durch die Hauptstraße. Unter den vielen Einwohner/innen der Stadt sind auch wir zu finden und verfolgen interessiert das Geschehen.

Die Zeit ist für uns sehr schnell vergangen, schon steht der letzte Abend bevor. Wir fahren mit den Freunden des CVJM Woloshin in den Wald und fühlen uns ein bisschen wie in Skandinavien. Die Sonne scheint, zwei Seen grenzen an unsere Holzhütte, die ersten Mücken ärgern uns, der Grill wird angeschmissen. Wir reflektieren unsere Eindrücke, kommen noch in Gespräche und genießen den Abend unter Freunden. Denn, das können wohl alle nach diesen Tagen und vor allem nach einer 20jährigen Partnerschaft bestätigen, nicht nur die Vereine sind gute Partner geworden, auch die Menschen aus Belarus und Deutschland verbindet inzwischen eine enge Freundschaft und beide Seiten freuen sich auf viele weitere gemeinsame Begegnungen.

Sarah Vogel, CVJM-Friedensnetz e.V

Weitere Informationen zur Arbeit des CVJM in Weißrussland findet ihr hier.

Die Entstehung der CVJM-Partnerschaft

Begonnen hat alles mit verschiedenen sozialen Aktionen. Über das "CVJM-Friedensnetz" sind seit Jahren auch einige AG-Vereine daran beteiligt, den Menschen in Weißrussland in ihrer Lebenssituation zu helfen. Viele Laster mit Hilfsgütern fanden den Weg in die Stadt Woloshin und in die umliegenden Orte. Aus Dori machen jedes Jahr Kinder in Deutschland "Urlaub vom verstrahlten Alltag".

Dabei ist es aber nicht geblieben. Mit Unterstützung aus Deutschland wurde in Woloshin ein CVJM gegründet, der inzwischen auch ein eigenes Haus hat. CVJM-Mitglieder aus AG-Vereinen können spannende Geschichten erzählen, wie sie mit Baumaterial bepackt in tage- und nächtelangen Touren nach Weißrussland fuhren, Probleme an den Grenzen zu überwinden hatten und auf der CVJM-Baustelle selbst Hand anlegten. Natürlich war es dann auch ein erhebendes Erlebnis, die Einweihung des CVJM-Hauses miteinander feiern zu können.

Wachsende Kontakte

Daraus hat sich inzwischen eine CVJM-Partnerschaft entwickelt. Im Rahmen des CVJM-Friedensnetzes sind Vereine innerhalb und außerhalb der AG der CVJM beteiligt. Unser Engagement richtet sich auf die Unterstützung der Programmarbeit und die Bereitstellung der Personalkosten für den CVJM-Sekretär. Über „Aktion Hoffnungszeichen“ des CVJM-Gesamtverbandes wird ergänzend dazu das Programm „Gesund und munter“ gefördert. Inzwischen gibt es auch Freiwilligendienste, in welchen junge Mitarbeiter/innen aus Weißrussland für ein Jahr in einem AG-CVJM mitarbeiten.

Das Engagement des CVJM in diesem Land mit sehr schwierigem politischen Umfeld und schlechten Lebensbedingungen verdient alle Unterstützung. Wir sind gespannt, wie sich unsere Partnerschaft weiter entwickelt.

AG Treffen 2017

Termin: 16.–19.11.

Ort: Bundeshöhe, Wuppertal
Thema: Hören

Ausschreibung und Anmeldung

Werkstatt der Hoffnung 2018

Termin: 4.–7.1.2018
Ort: Münchsteinach

Die Anmeldung erfolgt jeweils über den Verein vor Ort!
Hier findet ihr die Ausschreibung mit weiteren Informationen.

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